Bild: Anika Werner
Ausflugstipp

Versunkenes Örtchen im Harz

Als 1956 die Okertalsperre am Oberharz bei Goslar geflutet wurde, verschluckte sie ein ganzes Dorf. Die MS AquaMarin fährt über das alte Schulenberg und gibt den Blick frei auf das neue Dorf.

An der Bergstraße im Harzer Örtchen Schulenberg ist heute viel los. Ein Karpfen rast durch die Straße. „Hey, nicht so barsch!“ Ein Hecht stellt sich ihm in den Weg. „Ich hab’s eilig. Man weiß ja nie, wie lange es dieses Dorf noch gibt. Frag mal die Menschen.“ Und fragt man die Menschen werden sie dir die kuriose Geschichte erzählen, wie in den 1950er Jahren ein ganzes Dorf umziehen musste.

47.000.000 Kubikmeter Wasser im Becken

Okertalsperre (Bild: Anika Werner)

Ungefähr 40 Meter über der alten Siedlung schiebt sich gemütlich die MS AquaMarin über die Wasseroberfläche der Okertalsperre. Aus den Lautsprechern rattert der Kapitän die Zahlen des Stausees herunter. 47 Millionen Kubikmeter Wasser, eine 260 Meter lange und 75 Meter hohe Hauptsperrmauer. Der Betonkoloss bewegt sich durch die gewaltigen Wassermassen um fünf Zentimeter vor und zurück. Das Schiff dreht vor der Mauer und schwimmt in Richtung „Schulenberger Arm“.

Unterwasserwelt im Harz

Schulenberg ist eine alte Bergbau- und Hüttensiedlung aus dem 16. Jahrhundert. Etwas oberhalb befanden sich die Gruben, aus denen hauptsächlich Silber, Kupfer und Blei gefördert wurde. Die letzte Grube wurde 1904 geschlossen. 1954 packten rund 300 Einwohner in Schulenberg ihre Koffer und fanden auf dem „Kleinen Wiesenberg“ ein Stückchen weiter und etwa 60 Meter höher ein neues Zuhause. Um das alte Schulenberg herum wurde die Okertalsperre gebaut, die von 1956 an geflutet wurde. Vorher wurden die Häuser abgerissen. Heute ist das alte Dorf ein beliebtes Ausflugsziel für Taucher, die durch die Straßen schwimmen und dabei alte Keller, Brücken und Fundamente entdecken.

Auf dem „Kleinen Wiesenberg“ fanden die Einwohner eine neues Zuhause (Bild: Anika Werner).

90 Minuten Rundfahrt über den Okersee

Die MS Aquamarin fährt durch die typische Harzer Landschaft, während die Fahrgäste sich Leckereien beim Brunch schmecken lassen oder ihnen an Deck der Wind um die Nase weht. Am Ufer sind in den kleinen Buchten des Stausees immer wieder Menschen zu sehen. Kinder versuchen, Steine auf dem Wasser flitschen zu lassen, Hunde buddeln, eine Frau setzt sich auf eine alte Baumwurzel, die sich wie ein Oktopus in den Boden krallt und ein Mann am Ufer winkt den Passagieren der MS Aquamarin mit beiden Armen zu.

Die MS Aquamarin ist bei der großen Okerseerundfahrt rund 90 Minuten unterwegs und fährt vier Anleger an. Die Abfahrtszeiten variieren nach Jahreszeit und sind auf der Homepage zu finden. Erwachsene zahlen 17 Euro, Kinder zwischen 4 und 14 Jahre zahlen 8,50 Euro. Es gibt Familienkarten und die Möglichkeit, eine Teilstrecke zu fahren. Zudem kann das Schiff komplett gechartert werden und es werden Events angeboten, wie das weihnachtliche Brunch-Buffet jeweils am Sonntag, 4. und 18. Dezember.

Weitere Infos findet ihr hier:

So kommst du hin:

RB42/RB43
Oker
Vom Bahnhof nimmst du den Bus der Linie 861: In 20 Minuten bist du am Hauptanleger Weißwasserbrücke.
Anika Werner

Anika Werner

Anika genießt das Landleben in Radbruch. Am liebsten erkundet sie mit ihrer Familie und den Hunden Dexter und Didi die Natur oder bestaunt auf Städtetrips Architektur und Geschichte.

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