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Ausflugstipp

Ein Schloss für Braunschweigs Chefs

In Braunschweig lebten einst die Chefs von Braunschweig und Wolfenbüttel. Das war eine ziemlich große Familie, die über viele Jahrhunderte regierte. Sie zeigten gern ihren Reichtum und waren so ganz anders eingerichtet als es Leute heute sind. Das und noch vieles mehr erfahren vor allem die jüngeren Besucherinnen und Besucher bei einer Familienführung auf Schloss Braunschweig.

Rund zehn Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und elf Jahren warten ungeduldig im Vestibül, spielen fangen zwischen den kostbaren Säulen aus venezianischem Marmor, lachen und verbreiten eine Stimmung, die so im Museum nicht alle Tage vorkommt. Es ist der erste Samstag im Monat: Familientag im Schlossmuseum Braunschweig. Für Klein-Mick ist es nicht der erste Museumsbesuch, wohl aber der erste Besuch in einem Schloss. Leider sind auf den ersten Blick weder Ritter noch Schwerter zu sehen. So hält sich die Begeisterung meines fast Vierjährigen noch in Grenzen.

Von der Burg zum Schloss

Museumspädagogin Anna-Sophia versteht es dennoch, die Kinderbande zu unterhalten: „Wer gehört alles zur Familie?“, fragt sie und öffnet eine große Übersicht des Stammbaumes der Welfen-Familie. „Das waren die Chefs, sie regierten viele hundert Jahre hier. Einige waren total beliebt, andere hatten richtig Zoff mit den Braunschweigern.“
Sie erzählt von Herzog „Heinrich dem Löwen“, der einst die Burg Dankwarderode nur ein paar hundert Meter entfernt in der Braunschweiger Innenstadt am Markt baute. „Das war vor mehr als 800 Jahren“, so Anna-Sophia. „Doch die Burg wurde nicht immer bewohnt und was passiert, wenn Häuser lange leer stehen?“ „Sie gehen kaputt?“, fragt eine etwa Zehnjährige etwas schüchtern. „Ja, es zerfällt. Da wollte keiner mehr drin wohnen.“ Viele hundert Jahre später baute dann Herzog Wilhelm dieses Schloss hier. Er wollte einen viel größeren und schöneren Herrschersitz.“

Die Gruppe steht vor einem großen Modell des Schlosses. „Schaut mal, hier sind wir“, sagt die Museumspädagogin und zeigt auf den linken Schlossflügel. „Auf der anderen Seite ist die Bibliothek der Stadt und in der Mitte das Einkaufszentrum. Das war natürlich nicht immer so.“ Das Residenzschloss wurde im Krieg 1944/45 stark zerstört und wenige Jahre später abgerissen. Zwischen 2005 und 2007 wurde das Schloss weitgehend rekonstruiert wieder aufgebaut. Das aufwendige Projekt konnte vor allem durch den Bau des Einkaufszentrums realisiert werden. „Zu Zeiten der Herzöge waren das hier aber alles Zimmer und Räume für das Personal, die Gäste, zur Repräsentation und zum Arbeiten.“
Die Räume im heutigem Schlossmuseum sind nachgebaut, eingerichtet sind sie aber mit den original Möbeln der damaligen Bewohner.

Von Spielzimmer bis Thronsaal

Bilder: Julia Steinberg-Böthig

Klar, damals gab es weder Radio noch Fernseher oder Playstations. „Die Leute hatten Spiel- und Musikzimmer wie diese hier“, sagt Anna-Sophia und öffnet die Tür zu einem hellen Raum mit Klavier und gemütlicher Sitzecke. Die Herrschaften ließen Leute kommen, die extra auf dem Klavier für sie musizierten. Sie selbst saßen hier am Tisch und spielten Karten.“
Im Arbeitszimmer ist der Schreibtisch relativ aufgeräumt. „Das war er damals aber ganz bestimmt nicht“, weiß Anna-Sophia. „Hier wurden Allianzen geschmiedet und Ehen versprochen.“ Dass damals eine Heirat nie aus Liebe passierte, erstaunt die Kinder. „Wenn man seine Kinder miteinander verheiratete, dann führte man keinen Krieg gegeneinander“, erklärt die Museumspädagogin.

Im Audienzzimmer lässt Anna-Sophia die Kinder auf dem Boden Platz nehmen und reicht Stoffe herum: Damast, Seide, Samt, Leinen, Baumwolle. Stoffe, die sich nur die wirklich reichen Leute kaufen konnten und sich daraus ihre Kleider schneidern ließen.

Die letzt Station ist der Thronsaal und der weckt nun auch wieder das Interesse von Klein-Mick: Rote Wände, bestickt mit dem Wappen der Welfen, vergoldete Stühle, ein großer Spiegel, vergoldete Stuckdecken und ein mächtiger Thron. „Die Leute damals waren echte Angeber“, so Anna-Sophia. „Rot war damals ein sehr teurer Farbstoff, Gold sowieso das teuerste Metall, Spiegel konnten sich normale Leute gar nicht leisten und Samt, wie hier an den Vorhängen, war ebenso unerschwinglich für das Volk.“ Was schon vor hunderten von Jahren wirkte, wirkt auch heute noch bei Kindern: Sie sind schwer beeindruckt.

Weitere Infos findet ihr hier:

So kommst du hin:

RB47
Braunschweig
Vom Bahnhof fahren die Buslinien 230, 411, 413, 416, 418, 420, 422, 423, 450, 480, 560, 620 und 730 regelmäßig. Von der Haltestelle „Rathaus“ sind es nur wenige Schritte bis zum Schlossmuseum.
Julia vom erixx

Julia vom erixx

Julia ist seit mehr als 20 Jahren freiberufliche Journalistin. Sie liebt Ausflüge, gutes Essen und ihre Familie. Mit ihnen unternimmt sie nahezu jedes Wochenende Kurztrips in die Region, über die sie dann gern auch schreibt.

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